In Kolumne am 30. Juni 2015, Keine Kommentare

Der Selfie-Stick Flashmob

Es gibt kaum noch ein Touristen-Ballungsgebiet, an welchem nicht wenigstens ein Duzend Selfie-Sticks zu sehen sind. Das muss sich ändern!

Es gibt kaum noch ein Touristen-Ballungsgebiet, an welchem nicht wenigstens ein Duzend Selfie-Sticks zu sehen sind. Das muss sich ändern!

Groß wurde es in den Medien breitgetreten: In Disney-Parks wurde der berühmtberüchtigte Selfie-Stick verboten. Und dies nicht – wie man eigentlich annehmen möchte – aufgrund des hohen Peinlichkeitsfaktors. Nein, vielmehr geht es um die Sicherheit der Mitarbeiter.  Die WG plant eine ganz große Aktion: Der Selfie-Stick-Flashmob soll die Touri-Szene von Berlin aufmischen und dabei noch auf die Sinnfreiheit dieses neumodischen Accessoires hinweisen.

Wie folgt soll der Plan aussehen, so Carla: „Wir versammeln uns zu ganz Vielen und fotografieren wie wild drauflos. Egal wie und mit was. Original Selfie-Sticks, selbstgebastelte, alles was geht im Grunde genommen. Steve und Billie basteln irgendeine nette Landing-Page, die die gemachten Fotos dann direkt uploaden und die gehen dann viral durchs Netz. Vielleicht kriegen wir genug Leute überzeugt und ganz Deutschland, nein, die ganze Welt macht mit. Wichtig ist, dass die Fotos möglichst sinnlos und überflüssig sind. Und sie müssen über Facebook, Twitter, LinkedIn, Instagram, Xing, Google+ und so weiter direkt verteilt werden. Das wird ganz toll!“

Aufgeregt sitzen die WG`ler zusammen und schmieden ihren Plan.

„Wir müssen anfangen im Moment zu leben und aufhören immer und ständig alles auf Foto festzuhalten. Das muss doch nicht sein. Wir verlernen völlig unser Erinnerungsvermögen und gucken nur noch durch unser Handydisplay anstatt selbst hinzuschauen.“ Melancholisch schwelgt Rudi in Erinnerungen.

„Und niemand denkt mehr darüber nach, wovon ein Foto gemacht wird. Das ist so schade. Alles hat sich so sehr verändert. Wir haben tausende Fotos auf Handys, Laptops und Co und diese geraten dann nach kurzer Zeit völlig in Vergessenheit! Und was ist überhaupt mit der guten alten Kamera passiert?“ pflichtete ihm Kara bei.

„Und genau auf diese Missstände machen wir ja mit unserer Aktion aufmerksam. Das wird ganz groß. Alles frei nach dem Motto: Wider dem Selfie-Stick. Ich starte direkt eine Online-Kampagne zur Ankündigung“, wirft Carla wieder ein.

„Wider dem Selfie-Stick!“ rufen alle gemeinsam.

„Der kategorische Imperativ nach Marx sagt aus, dass alle Verhältnisse umzuwerfen sind, in denen ein Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

Theodor hat sich wieder einmal unbemerkt den Revoluzzern angeschlossen. Auch wenn ihn niemand so richtig verstanden hat, nickten alle zustimmend.

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