In Aktuelles am 31. Oktober 2016, Keine Kommentare

Halloween: Wenn das Smartphone besessen ist

Es war ein Herbstmorgen wie jeder andere. Laub verteilte sich auf den Straßen. Die roten und orangefarbenen Blätter schmückten den Boden und verliehen der Stadt einen romantischen Anblick. Sonnenstrahlen zeichneten sich durch den bewölkten Himmel. Sophie blickte aus dem Fenster ihrer Wohnung im Zentrum Berlins. Auf den Straßen tummelten sich Menschen: Männer mit ernstem Blick, Smartphone am Ohr und gekleidet in schicken blauen und grauen Anzügen, Touristen mit großen Kameras und Handys, die am Selfiestick montiert waren, gut gekleidete Frauen, die ihre kleinen Hunde spazieren führten.

Sophie nahm entspannt einen Schluck ihres Kaffees. Die junge Studentin freute sich über einen entspannten Tag. Es war Montag, sie hatte frei. Sie würde vielleicht einen Spaziergang machen. Der Park um die Ecke müsste um diese Jahreszeit pittoresk aussehen. Orange, Rot und Grün bildeten eine traumhafte Kulisse. Es sieht bestimmt wie in einem Märchen aus, dachte sich die junge Frau. Sie nahm einen letzten großen Schluck aus ihrer Tasse, auf der sie ein freundliches Kürbis-Gesicht anlächelte. Kürbis… Moment! Sie blickte auf den Kalender. Es war der 31. Oktober. Unter Schock fiel ihr die Tasse herunter. Der Kürbis lächelte nicht mehr.

Halloween: Der Kürbis ist das Symbol des Fests.

Der Kürbis ahnt Böses…

Böse Clowns und besessene Handys

Halloween lädt zum Gruseln ein. Zu keiner Zeit boomt die Horror-Industrie so sehr, wie zu Halloween. Dass ihr ein Horror-Erlebnis blühte, hatte Sophie schon seit Tagen im Gefühl. Es fing damit an, dass sie von einem der verrückten Horror-Clowns nachts auf dem Heimweg überrascht und erschreckt wurde. Der böse Scherz eines Teenagers, der den Trend mitmachen wollte, führte dazu, dass Sophie unter Schreck und Panik ihr neues Samsung Galaxy S7 fallen ließ. Displaybruch. Das Display reagierte nicht mehr. Es ging nicht mehr an. Es war komplett zerstört. „Mist“, schrie Sophie wutentbrannt. Und vertrieb sogar den Horror-Clown.

Sophie braucht ihr Handy. Also reparierte sie es in einer dieser lokalen Reparaturwerkstätten um die Ecke. Die waren neu dort. Im Internet gab es noch keine Bewertungen. Aber die Preise waren super. So günstig würde sie ihr Handy nirgendwo anders reparieren lassen können. Sie versprachen ihr, dass sie ihr Samsung noch am selben Nachmittag abholen könnte. Sophie war beeindruckt. Auch von der unglaublich guten Dekoration des Ladens. Zombies, Skelette, sogar Dampf stieg an einigen Stellen empor. Hier und da war rote Farbe verteilt worden. Für Halloween waren sie hier bereit. „Sieht realistisch aus. Man könnte fast meinen, dass es echtes Blut ist“, sagte sie lachend zum Reparateur. Er grinste und sagte keinen Ton. Später gab er ihr das Smartphone. Es sah aus wie neu.

Seitdem schien ihr Handy wie verhext. Anrufe gingen von ihrem Handy aus. Manchmal erhielt sie Anrufe. Unbekannt. Auf der anderen Leitung war ein Zischen zu hören. Dann ein Kinderlachen. Dann ein lauter, schriller Schrei. Die Stimmen wird sie nie vergessen. Plötzlich konnte sie ihr Handy nicht mehr am gewohnten Platz wiederfinden. Als würde es sich selbstständig durch die Wohnung bewegen. Legte Sophie es auf dem Nachtisch neben ihrem Bett ab, fand sie es am nächsten Morgen im Wohnzimmer, an der Wand lehnend. War es besessen? War sie besessen? Oder bildete sie sich das alles nur ein? Sie hatte eindeutig zu viele Horrorfilme gesehen. Vielleicht war es auch nur ein Handy-Virus.

Halloween: Ist Sophies Handy verhext?

Halloween: Ist Sophies Handy verhext?

Doch es besserte sich nicht. Plötzlich erschienen Bilder auf ihrem Smartphone. Absender unbekannt. Nicht nachverfolgbar. Sie zeigten Friedhöfe und Grabstätten. Jedes Mal wurde es detaillierter. Bis sie eines Tages ein Bild von einem Grabstein bekam. Ihr Name war eingraviert. Todestag: 31. Oktober. Das Handy glitt ihr aus den Händen und knallte auf den harten Holzboden. Displaybruch. „War das vielleicht nur ein Scherz aus der Reparatur-Werkstätte?“, fragte sie sich. Sie beschloss durchzuatmen und nochmal zurück zu gehen. Sie musste ihr Handy ohnehin wieder reparieren lassen.

Also ging sie wieder los. Die mussten doch genau hier gewesen sein. Sophienstraße. Das die Straße den gleichen Namen wie sie trug, bemerkte sie erst jetzt richtig. Lustig, wie die Wahrnehmung uns manchmal einen Streich spielt. Die Werkstatt war nicht mehr da. Wie konnte das sein? Erst vergangene Woche war sie hier. Jetzt sah es so aus, als wäre sie nie hier gewesen. Wird Sophie auch verschwinden? So als hätte sie nie existiert? Ein kalter Schauer lief ihren Rücken entlang.

Die vergessene Halloween Party

Danach passierte nichts mehr. Die Anrufe und Benachrichtigungen hörten auf. Eine Woche war es still. Das Handy hatte zwar ein kaputtes Display, aber es funktionierte. Die wenigen Schönheitsfehler störten sie nicht. Sie atmete auf.

Und dennoch, heute, am 31. Oktober, war sie vorsichtig. Sie blickte sich um. Sie vermied den Spaziergang im Park. Doch am Abend wollte sie auf die Halloween Party. Alle ihre Freunde werden da sein. Gehen oder nicht gehen, das ist hier die Frage. Sie trotzte dem mentalen Widerstand, schnappte ihr Smartphone und ging.

Sie tanzten, lachten, machten Fotos. Sophie hatte Spaß. Das Halloween-Fest war schaurig schön. Sie dachte nicht mehr an die Geschehnisse der letzten Tage. Sie musste sich alles nur eingebildet haben. Ein besessenes Handy gibt es doch nicht!

Sophie mit ihren Freunden an Halloween. Sie machen ein Selfie

Sophie mit ihren Freunden an Halloween. Sie machen ein Selfie

Bis sich plötzlich der Raum verdunkelte. Stille. Alle waren verwirrt. War das eine Überraschung? Gehörte der Special Effect zur Party? Nichts änderte sich für Minuten, die sich wie Stunden angefühlt haben. Die Türen waren verriegelt. Sie konnten nicht mehr entkommen. Die Prophezeiung stimmte. Ganz automatisch blickte Sophie auf ihr Handy: Der Grabstein zeigte deutlich ihren Namen. Und dann fing das Handy in ihrer Hand plötzlich Feuer. Ein schriller Schrei unterbrach die Stille der Dunkelheit.

Alles nur ein Traum, sie hat ja Schutzklick

Der Schrei war Sophies lauter Wecker. „Alles nur ein Traum“, atmete sie auf. „Alles nur ein Traum.“ Sie blickte auf ihr Handy. Es funktionierte einwandfrei. Erst kürzlich hatte sie eine Handyversicherung abgeschlossen. „Ist ja zum Glück versichert. Danke Schutzklick.“ Der Halloween-Party am Abend stand nichts mehr im Wege.